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Rezensionen zu: Roger Lenaers, Der Traum des Königs Nebukadnezar


Es ist auch in unseren Breiten unübersehbar, dass die Kirchlichkeit der Menschen stark schwindet. Dies empfinden Christen schmerzlich und stehen diesem Phänomen meist ratlos gegenüber. Lenaers, ein Jesuit, will diesem Verdunsten der Gläubigen nicht tatenlos zusehen und versucht in seinem Buch (19 Kapitel) den Ursachen nachzuspüren, woher denn dieser Trend kommt. Seine Diagnose: „Sprachprobleme!“ Das heißt, dass die Sprache der christlichen Tradition in mittelalterlichen Denk- und Redewendungen stecken geblieben ist und daher den Menschen der Moderne nicht mehr erreicht. „Jede Sprache“, so sagt er, „ist zeitgebunden und in einer bestimmten Kulturphase entstanden und kann daher nicht für alle Zeiten verständlich sein.“

Mit seinem Buch wagt der Autor den Versuch, unsere Glaubenslehre aus der Sprache des Mittelalters herauszuschälen und in die Sprache der Modernität, also ins Heute zu übertragen. Um den Überlegungen und Argumenten Lenaers folgen zu können, ist es notwendig, zwischen Heteronomie und Theonomie klar zu unterscheiden (2.Kapitel). Es ist nicht leicht, das Qualitätsprodukt „Christlicher Glaube“ in einer zeitgemäßen Sprache anzubieten, die vom heutigen Menschen verstanden wird, die ihn erreicht, ergreift, trifft und bewegt, also in einer Sprache, die ankommt und angenommen wird.

 

Da es dafür noch keine vorgespurten Wege der Darstellung gibt, bemüht sich der Autor, die Wahrheiten des Glaubens von überkommener, teils unverständlicher Rhetorik zu befreien, von alten Vorstellungsbildern, die heute nicht mehr greifen, zu lösen und in eine, dem heutigen Menschen verständliche und zugängliche Sprache zu gießen. Es ist eine Entdeckungsreise, auf die er sich mit dem Leser begibt, weil neue Pfade beschritten werden müssen. Der Verfasser lädt ein, sich mit ihm auf das Abenteuer gläubigen Suchens einzulassen, denn nur so hat eine „Neu-Evangelisierung“ eine Chance. All jene, die mit der „Kirche und ihrer Verkündigung“ zufrieden sind, bittet er, dieses Buch nicht zu lesen, denn sie könnten beunruhigt werden.

Jenen aber, die denken, dass es in der Kirche aufwärts und besser weitergehen soll, rät er, nach dem Buch zu greifen. Aufgeschlossenen Christen und all jenen, die in der Verkündigung stehen, sollten sich diese Lektüre zur persönlichen Bereicherung, Horizonterweiterung, Standortbestimmung und mancher Klärung gönnen.
 

PaulLampl,
Katholischer Tiroler Lehrerverein