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Auszüge aus Rezensionen zu: Andreas Daams, Franz Neige, Arno Zweden: Drei Herren


Wenn der letzte Flügel gerodet ist...

NEUERSCHEINUNG / "Drei Herren" der "edition anderswo" äußern sich zur Kultur. In einem Buch. Endgültig. Endlich.
 

Was ist Dichtung, was ist Wahrheit? Dem nachzuspüren, bieten Pressekonferenzen mit Andreas Daams und Heiner Frost Gelegenheit. Allein, eine Antwort gibt es nicht. Es geht um ein Buch. Oder eigentlich ein Klavier. Oder beides. Es geht um "Drei Herren" - so heißt das Buch. Der eine davon ist da, Andreas Daams. Die zwei anderen sind verhindert. Der Emmericher Arno Zweden angeblich in Polizeigewahrsam wegen Raserei auf der Straße, der andere, Franz Neige, als Schiffskoch unterwegs. Beide reichen ihr cartooniertes Konterfei ein. Dichtung, Wahrheit, Skizzerei.

 

Es stürzt. Und macht doch nur "Tock"


Und dann das Klavier. Das hat einst, im Jahr 2000, die drei zusammengeführt. Diesmal, in der Pressekonferenz, ist das Klavier winzig klein, aus Plastik und plumpst aufs Kissen - Wiederholung für die Pressefotografen. Damals, 2000, fiel es echt vom Schloss, war Kunst und machte doch nur ein enttäuschendes "Tock". Die drei Herren fanden Komik darin: Der Cartoonist lässt die "Bergische Volksfront" (Schreibfehler: sollte belgisch heißen) demonstrieren: "Wenn der letzte Flügel gerodet ist, und das letzte Klavier fällt, werdet ihr erkennen, dass Aktionskünstler nicht musikalisch sind". Die Text-Starken lassen sich ausführlicher aus. Schildern den Akt des Künstlers, der zehn Klavier-Abwürfe zum Preis von neun anbietet. Berichten vom exhumierten Piano-Drop des Fluxushansen.

 

Das Lateinische hat sein Mysterium, das Englische auch und das Niederrheinische erst recht. "Wer hört datt Ratt" (Wem gehört das Fahrrad). Die Texte taumeln zwischen tiefsinnig, gemein und albern. Sind Glossen, Satire, nehmen Anleihen bei Echt-Veranstaltungen wie Techno-Messen, Pressekonferenzen mit Bundestagsabgeordneten, Verabschiedung eines Musikschulleiters, im Journalistenalltag. Und sicher ist auch was Wahres dran an der ausgezeichneten Geschichte (2002 Münchener Satire-Förderpreis) über die Ehefrau mit wildem Babywunsch.
Es wurde Zeit, dass sich der Verlag "edition anderswo" endgültig einmal zu Kultur äußert. Finden alle Beteiligten. Und warten auf das Käuferurteil ab heute für 9,80 Euro. Das Cover des Paperback-Buches ziert übrigens ein Kragenbär aus dem Berliner Zoo. Wegen des Flairs - und zum Aufbinden.
 


ASTRID HOYER-HOLDERBERG

Neue Rhein Zeitung (NRZ)

06.11.2003

 

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