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"Es gibt sie,
die junge deutsche Literatur", schreibt Marcel Diel in
seinem Vorwort. Und er hat Recht: in seiner neuesten
Anthologie finden wir zwanzig Kurzgeschichten, die
erfrischend, unverblümt und vor allem unerwartet anders
sind. Die Themen variieren zwischen Liebe und Verlust,
zwischen Glück und Trauer. Die Gedankengänge, die eine
junge Frau beim Waschen einer Unterhose hat, die
Hoffnung von Herr Mertens, dass es sich um eine
»Operation handelt, bei der die Betäubung nachfolgt«,
und die Angst, dass zwei Schwestern Tiere anstatt Kinder
gebären, sind nur ein paar von den Illusionen, die
dieses Buch in sich birgt. Wer Lust auf eine Lektüre
verspürt, die auch genug Platz zum Träumen lässt, sollte
sich diesen Band unbedingt anschaffen.
Aus:
Schnüss Uni-Magazin. Das Semesterheft des Bonner
Stadtmagazins. Winter 2003. S.4.
[ Das Buch ]
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Die von Marcel Diel herausgegebene Anthologie
"Erfindungen und Geborgenheiten" stellt 12 junge
Autorinnen und Autoren vor, die der Gruppe "Literatur
Bonn" angehören.
Im durchaus lesenswerten Vorwort schlägt Diel
selbstbewusste Töne an und erklärt, dass Literatur in
erster Linie in Schreibwerkstätten und Autorengruppen
stattfindet. Diese These ist ebenso diskussionswürdig
wie die Prophezeiung, dass nicht allen an der Anthologie
beteiligten Autoren der literarische Durchbruch gelingen
wird. Einer wäre für den Anfang ja mal nicht schlecht.
Dietmar Hübner ist so ein Kandidat. Seine unglaublich
dichte Erzählung "Pola", in der es um eine Taschendiebin
geht, die sich für eine Berühmtheit ausgibt und für
diese Lüge sogar den Tod in Kauf nimmt, hat aktuellen
Bezug: die grassierende Gier nach Aufmerksamkeit bis zur
Selbstaufgabe. Frei nach dem Motto: Ich bin ein Star -
leg mich ruhig um. Gudrun Blumenthal steuerte zwei Texte
zum weit gefassten Thema bei, die sich aufgrund des
ironischen Schreibstils der Autorin wunderbar lesen
lassen. In "Fluchtwege in Minnesota" bekommt eine ganz
bestimmte Gruppe von jungen Erwachsenen verdientermaßen
eins auf die Mütze, "Rücksichtslos" besticht durch
konsequentes Weiterspinnen einer denkbaren Situation.
Der Helfer wird zum Opfer und muss sich wehren.
Dorothea Klein hingegen verdeutlicht anschaulich,
dass es Verliebte tunlichst vermeiden sollten, der
Unterwäsche ihres Herzchens Namen zu geben. Das führt
nur zu melancholischen Grübeleien vor der Waschmaschine.
Kurzum: Diese 20 Texte zwischen Realität, Liebe und Wahn
sind lesenswert.
Marc Halupczok, Federwelt Nr. 45, April/Mai 2004
[ Das Buch ] |